Cosplay?

Die Cosplayszene ist eine in Deutschland noch recht junge, allgemein unbekanntere Szene, die jedoch mittlerweile etwa mehrere 100.000 Mitglieder zählt. Ursprung der Szene liegt im Science-Fiction-Fandom Nordamerikas und wurde dann in Japan adaptiert, wobei sie an die dortige Populärkultur angepasst wurde. So wurde der Begriff „Cosplay“ in der jap. Fanszene um etwa 1980 erfunden, zusammengesetzt aus den Begriffen „Costume“ und „Play“ (vgl. Hitzler 2010, S. 45). Beim Cosplay wird eine beliebige fiktive Figur aus Film, Videospielen, vor allem aber aus japanischen Comics (Manga) oder Zeichentrick (Anime) ausgewählt und versucht dann, sich so nahe wie möglich am Original zu kostümieren. Dabei kommen neben gewöhnlichen Stoffen auch Perücken, farbige Kontaktlinsen und sogar Holz bzw. Plastik zum Einsatz. Popularität erlangte die Subszene der Manga-/Anime-Fanszene durch das vermehrte Ausstrahlen von Anime im Nachmittagsprogramm der Privatsender Ende der 90er Jahre. Vor allem die Animes „Sailor Moon“, welche sich an weibliches Publikum richtet und „Dragon Ball“, angepasst an die männliche Zielgruppe, werden häufig als Ursprung für das Interesse an der Szene genannt. Szenegänger treffen sich auf den jährlich stattfindenden regionalen Conventions, doch durch die vermehrte Akzeptanz der Öffentlichkeit auch auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. Eine der größten in Deutschland ist die „AnimagiC“ in Bonn mit bis zu 15.000 Besuchern sowie die Connichi in Kassel (vgl. Schmidt, 2012). Dort gibt es neben Kostümwettbewerben auch andere Aktivitäten wie z.B. gemeinsames Karaoke-Singen, Zeichenworkshops oder Auftritte von J-Rock Künstlern. Auch kleine Events, welche von Szenegängern eigenständig organisiert werden, sind in Städten üblich.


Haupttreffpunkt für die Szene ist jedoch das Internet, allem voran die Online-Plattform Animexx. Seit 2000 gilt die Webseite als Mittelpunkt der deutschen Cosplay und J-Culture-Szene (vgl. Animexx, 2013). Nach der kostenlosen Registrierung ist es möglich, sich ein Profil anzulegen, Kostüme oder Zeichnungen in Bildergalerien zu veröffentlichen und diese von anderen Nutzern kommentieren zu lassen. In unterschiedlichen Foren können Nutzer sich über gemeinsame Interessen austauschen, Events ankündigen und Neuigkeiten veröffentlichen. Auf Grund der kleineren Events, welche oftmals nur auf Animexx angekündigt werden, ist es für Cosplayer, die nicht bei Animexx registriert sind, schwierig, über das Szenegeschehen informiert zu sein. Mittlerweile gibt es auch einen Pay-TV Sender namens „Animax“ auf dem Anime sowie jap. Filme gezeigt werden, aber auch Printmedien wie die „AniMania“ oder „Koneko“, welche J-Culture thematisieren.

© Rish



Cosplay: Link aus "The Legend of Zelda"
Quellen:

Hitzler, Roland / Niederbacher, Arne (2010): 
Leben in Szenen. Formen juveniler Vergemeinschaftung heute. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Wiesbaden: VS Verlag.

Schmidt, Meike (2012): General Anzeiger Bonn. Bonn. Wesen aus einer anderen Welt. 
<http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/Wesen-aus-einer-anderen-Weltarticle818282.html> 23.04.2013

Weiterführende Links:
http://www.jugendszenen.com unter dem Punkt Cosplay
http://animexx.onlinewelten.com/



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